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Baugeschichte in sieben Etappen
Der Kölner Dom wurde 1248 begonnen und 1880 vollendet – dazwischen ruhte der Bau mehr als 300 Jahre. Statt einer Jahreszahlen-Liste erzählt diese Seite die Bauzeit als sieben Etappen mit jeweils einer Frage.1,
1 · Warum überhaupt neu bauen? (1164–1248)
Mit den Reliquien der Heiligen Drei Könige, die Erzbischof Rainald von Dassel 1164 aus Mailand nach Köln bringen ließ, wurde der Dom zu einem der bedeutendsten Pilgerorte Europas. Der neue Bau sollte nach dem Domkapitel alle früheren Kathedralen übertreffen und ging in seiner Architektur nahe an die Grenzen des damals technisch Möglichen. Er war im Mittelalter als Umfassung für den Dreikönigenschrein gedacht.2,
2 · Grundstein und Chor (1248–1322)
Am 15. August 1248 legte Erzbischof Konrad von Hochstaden den Grundstein; 1322 wurde der Chor als erster Bauteil geweiht. Bei vorbereitenden Abrissarbeiten im selben Jahr 1248 brach ein Feuer aus, das den Alten Dom beschädigte.1,
3 · Ein Plan auf Pergament (um 1280)
Die Westfassade, die erst im 19. Jahrhundert gebaut wurde, ist schon auf einem mittelalterlichen Plan festgehalten: dem „Riss F“, 4,05 Meter hoch, aus 20 Pergamentstücken. Das alte Archiv der Dombauhütte gilt seit 1794 als verschollen; Teile des Risses tauchten 1814 auf dem Dachboden eines Darmstädter Gasthofs und 1816 bei einem Pariser Antiquar wieder auf.5,
Beim Bau der Türme hielt man sich im 19. Jahrhundert nach Angaben des Domkapitels sehr genau an die mittelalterlichen Pläne.2
4 · Stillstand mit Kran (um 1520–1842)
Um 1520 wurden die Arbeiten eingestellt – für mehr als 300 Jahre. Der Südturm war erst gut 56 bis 58 Meter hoch, auf seinem Stumpf stand ein hölzerner Baukran. Das Faltblatt des Domkapitels nennt 58 m, seine Geschichtsseite 56,14 m. Der Kran war jahrhundertelang Wahrzeichen der Stadt und galt als Mahnung, den Bau zu vollenden; er wurde erst 1868 abgebaut.2,
In der Franzosenzeit wurde der Dom 1796 für den Gottesdienst geschlossen und als Lager und Kriegsgefangenenlager genutzt; 1803 wurde er Pfarrkirche, 1821 mit der Wiedererrichtung des Erzbistums wieder Bischofskirche.1
5 · Vollendung in 38 Jahren (1842–1880)
1842 legte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. den Grundstein zur Vollendung; im selben Jahr gründete sich der Zentral-Dombau-Verein, der rund 60 Prozent der Baukosten aufbrachte. Unter den Dombaumeistern Ernst Friedrich Zwirner und Richard Voigtel wurde der Dom in 38 Jahren fertig; zeitweise arbeiteten mehr als 500 Handwerker gleichzeitig. Man baute nach mittelalterlichen Plänen, aber mit damals modernster Technik – Windenwagen auf Schienen, eine Dampfmaschine und ein eiserner Dachstuhl von 1860.4,
1880 war der Dom vollendet und damit das höchste Bauwerk der Welt. Gefeiert wurde am 15. Oktober 1880 – mitten im Kulturkampf zwischen preußischem Staat und katholischer Kirche; der Kölner Erzbischof fehlte bei der Feier.2,
6 · Fertig? Nicht ganz (1880–1945)
Schon 1906 zeigte sich, dass ein Dom nie fertig ist: Nach dem Hochamt am 20. Mai stürzte der Flügel einer Engelsfigur über dem Hauptportal ab – ein Regenschirm bremste den Sturz, niemand wurde verletzt. Danach begann eine lange Restaurierungsphase; bis Ende der 1930er Jahre wurde fast das gesamte Strebewerk des Chores erneuert. 1923 wurde die Petersglocke gegossen, 24.000 Kilogramm schwer.4,
Im Zweiten Weltkrieg trafen den Dom 14 Sprengbomben und mehr als 70 Brandbomben; die meisten Gewölbe von Lang- und Querhaus stürzten ein. Aus der Ferne wirkte er unversehrt – aus der Nähe nicht.1,
Warum wurde der Dom nicht zerbombt? Getroffen wurde er schwer, eingestürzt ist er nicht: Laut Domkapitel stürzten die meisten Gewölbe der Mittelschiffe ein, Orgel und viele Fenster des 19. Jahrhunderts gingen verloren, und ein Bombentreffer an einem Turmpfeiler war so gefährlich, dass er noch im Krieg provisorisch mit Ziegelsteinen ausgebessert wurde. Dass es keine großen Verluste an mittelalterlicher Kunst gab, lag an der Vorbereitung: Die mittelalterlichen Fenster und viele Ausstattungsstücke waren rechtzeitig ausgebaut und in einem Kunstbunker unter dem Nordturm oder weit außerhalb Kölns gelagert, feste Kunstwerke mit Sandsäcken und Verschalungen geschützt.1
Weit verbreitet ist die Erklärung, die alliierten Bomberpiloten hätten den Dom als Orientierungspunkt gebraucht und deshalb geschont – oder ihn als Gotteshaus absichtlich verschont. Belegt ist das nicht, Fachleute widersprechen: Martin Rüther, damals wissenschaftlicher Mitarbeiter am NS-Dokumentationszentrum in Köln, sagte 2017, man habe den Dom weder bewusst stehen lassen noch als Zielmarkierung genutzt; das lasse sich aus 3.000 Metern Höhe gar nicht bestimmen.8 Der Historiker Niklas Möring („Der Kölner Dom im Zweiten Weltkrieg“) nennt die Vorgabe, die Kathedrale bewusst zu verschonen, laut einem KNA-Bericht ein in der Bevölkerung kursierendes Gerücht. Nicht auszuschließen sei, dass sich einzelne Piloten darum bemüht hätten – die Zielgenauigkeit sei aber zu gering gewesen, um den Dom bei Nacht oder Bewölkung nicht zu treffen.9
Was nach diesen Darstellungen tatsächlich half: die Bauweise und Statik des Doms – das gotische Strebewerk hielt trotz teils starker Schäden stand –, die Brandwachen, die beim „1.000-Bomber-Angriff“ im Mai 1942 42 Brände löschten, sieben davon auf dem Dach, und nach Rüther schlicht Zufall.8,
7 · Wiederaufbau und Dauerbaustelle (seit 1945)
Chor und Querhaus waren 1948 zum 700. Jahrestag der Grundsteinlegung wieder zugänglich, das Langhaus 1956. Bis etwa 1980 ersetzte man Sandstein vielfach durch haltbare Basaltlava und erlaubte sich freiere Formen; seither strebt die Dombauhütte eine möglichst originalgetreue Wiederherstellung mit Steinen an, die dem Bestand nahekommen.4,
Die Dombauhütte arbeitet bis heute ständig am Dom; der Zentral-Dombau-Verein trägt nach Angaben aus dem Jahr 2017 rund 60 Prozent ihres jährlichen Etats. Damals beschäftigte sie rund 100 Menschen, davon etwa 80 Handwerker und Restauratoren – von Steinmetzen bis Glasmalern.4 → Welterbe und Bauhütte
Zeitleiste (Kurzfassung)
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 313 | Maternus als erster Kölner Bischof erwähnt |
| um 500 | Taufbecken einer fränkischen Kirchenanlage |
| 873 | Weihe des Alten Doms |
| 1164 | Reliquien der Heiligen Drei Könige kommen nach Köln |
| 1248 | Grundsteinlegung (15. August), Brand im Alten Dom |
| um 1280 | Riss F |
| 1322 | Chorweihe |
| um 1520 | Baustopp, Südturm 56–58 m |
| 1796 | Schließung, Nutzung als Lager |
| 1842 | Grundstein zur Vollendung, Zentral-Dombau-Verein |
| 1868 | Abbau des alten Krans |
| 1880 | Vollendung, Domfest am 15. Oktober |
| 1906 | Engelsflügel stürzt ab |
| 1923 | Guss der Petersglocke |
| 1939–1945 | schwere Kriegsschäden |
| 1948 / 1956 | Chor und Querhaus / Langhaus wiederhergestellt |
| 1996 | UNESCO-Welterbe |
| 2007 | Richter-Fenster |
| 2026 | Eintritt für Besichtigungen (seit 1. Juli) |
Quellen der Zeitleiste: siehe die Belege in den Abschnitten oben sowie Welterbe und Besuch planen.