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Steinfiguren in der Laibung eines Westportals, steil von unten fotografiert
Figuren an einem Westportal (außen)

Im Dom: sechs Stationen

Der Kölner Dom bewahrt Kunstwerke aus mehr als tausend Jahren – dieser Rundgang greift sechs heraus, die das Domkapitel selbst als herausragend nennt oder beschreibt. Im Innenraum reichen sie vom Gerokreuz (um 970) bis zum Südquerhausfenster nach Gerhard Richter (2007); die Domschatzkammer zeigt Stücke vom 4. bis zum 20. Jahrhundert.1,2

1 · Dreikönigenschrein

Der Dreikönigenschrein hinter dem Hochaltar ist nach Angaben des Domkapitels das größte und künstlerisch bedeutendste Reliquiar des Mittelalters. Er entstand um 1190 bis um 1220, begonnen in der Werkstatt des Goldschmieds Nikolaus von Verdun und fortgeführt von Kölner und maasländischen Werkstätten. Der gotische Dom wurde gewissermaßen als steinerne Hülle für diesen Schrein gebaut.3

Woran erkennen: goldener Schrein im Zentrum des Chors, hinter dem Hochaltar. Gut zu wissen: Nach der Flucht vor den französischen Revolutionstruppen 1794 wurde der Schrein um eine Achse verkürzt; die Restaurierung 1961–1973 stellte die ursprüngliche Form weitgehend wieder her. Seit 1948 steht er hinter dem Hochaltar.3,4

Was liegt im Dreikönigenschrein? Nach Angaben des Domkapitels die Gebeine der Heiligen Drei Könige, die Erzbischof Rainald von Dassel 1164 aus Mailand nach Köln brachte: Kaiser Friedrich Barbarossa hatte sie ihm am 11. Juni 1164 in Pavia geschenkt, die Reise nach Köln dauerte 43 Tage. Hinter der trapezförmigen Platte an der Stirnseite ruhen die Schädel; früher wurden sie durch diese Öffnung den Pilgern gezeigt.4 Woher die Gebeine ursprünglich kamen, erzählt die Kölner Überlieferung, die das Domkapitel aus einem Brevier von 1521 zitiert: Kaiserin Helena habe sie nach Konstantinopel gebracht, Bischof Eustorgius von dort nach Mailand. Das ist Legende, kein Beleg. Mit nach Köln kamen laut demselben Text auch Reliquien der Märtyrer Felix und Nabor.4

Im Krieg: 1942 wurde der Schrein nach Schloss Pommersfelden bei Bamberg gebracht, später zurück nach Köln in einen Kunstbunker unter dem Nordturm.4 Datierung: Ein älteres Faltblatt des Domkapitels nennt „ca. 1190 – nach 1230“.1

2 · Gerokreuz

Das Gerokreuz gilt dem Domkapitel als erste erhaltene Monumentalskulptur nach der Antike und als früheste monumentale Darstellung des toten Christus am Kreuz. Gestiftet hat es laut Domkapitel Erzbischof Gero (976) und hängt an der Ostwand der Kreuzkapelle. Der Strahlenkranz und der Marmoraltar kamen erst 1683 hinzu.5

Woran erkennen: hölzerner Kruzifixus mit geschlossenen Augen vor einem barocken Strahlenkranz.

3 · Mailänder Madonna

Die Mailänder Madonna (um 1280/90) ist das älteste Marien-Gnadenbild des gotischen Doms. Die bemalte Holzfigur stammt aus der Dombauhütte; Fassung, Zepter und Krone sind Ergänzungen einer Restaurierung um 1900. Sie ersetzte wohl ein Marienbild aus Mailand, das beim Brand des Alten Doms verloren ging.6

4 · Altar der Stadtpatrone (Stefan Lochner)

Der Altar der Stadtpatrone von Stefan Lochner ist nach dem Domkapitel das bedeutendste Werk der spätgotischen Kölner Malerschule. Er stand ursprünglich in der Ratskapelle der Stadt und kam 1810 auf Betreiben von Ferdinand Franz Wallraf in den Dom. Heute steht er in der Marienkapelle, wo täglich Messe gefeiert wird.7

Datierung: Die Seite zum Altar nennt „um 1442“, das ältere Faltblatt „ca. 1445“.7,1 Gut zu wissen: Im Advent und in der Fastenzeit sind die Flügel geschlossen – dann sieht man die Außenseiten.

5 · Südquerhausfenster (Gerhard Richter)

Das Fenster von Gerhard Richter im Südquerhaus besteht aus 11.263 Glasquadraten in 72 Farbtönen auf 106 Quadratmetern. Die Verteilung der Farben bestimmte Richter mit einem Zufallsgenerator – allerdings nur für eine Hälfte; die andere spiegelt sie. Eingesetzt wurde es 2007.8

Warum hier ein modernes Fenster? Das Vorgängerfenster von 1863 zeigte drei heilige Herrscher und drei heilige Bischöfe; es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die farblose Notverglasung von 1948 galt von Anfang an als zu hell – erst 59 Jahre später kam eine farbige Lösung.8 Hinweis: Wir zeigen das Fenster nicht als Foto (Urheberrecht, siehe Fotografieren).

6 · Domschatzkammer (eigenes Ticket)

Die Domschatzkammer liegt in mittelalterlichen Gewölben unter der Sakristei und zeigt Reliquiare, liturgische Geräte und Textilien vom 4. bis zum 20. Jahrhundert. Dazu gehören die Beigaben der fränkischen Gräber aus der Domgrabung. Geöffnet täglich 10–18 Uhr, Ticket 8 € bzw. als Kombikarte mit dem Turm.2 → Unter dem Dom

Wenn Sie mehr Zeit haben

Das Domkapitel beschreibt auf seiner Website zahlreiche weitere Werke, darunter Chorgestühl, Bibelfenster, Bayernfenster und das Christophorus-Standbild, sowie einen Themenrundgang „Der Dom und die Juden“. Wir verweisen dafür auf den offiziellen Rundgang unter koelner-dom.de/rundgang.